Bulimie – Bulimia Nervosa

Bei einer Bulimia nervosa (BN, Bulimie) kommt es zu Essanfällen. Die Betroffenen nehmen in kurzer Zeit große Nahrungsmengen zu sich. Anschließend wird durch verschiedene Maßnahmen versucht, die Folgen der Heißhungerphasen (= Gewichtszunahme) wieder „rückgängig“ zu machen.

 

Essanfälle & kompensatorisches Verhalten

Zu den kompensatorischen Verhaltensweisen zählen:

  • selbst induziertes (herbeigeführtes) Erbrechen,
  • zeitweise Hungerperioden (Diäten, Fasten), Vermeiden von kalorienreichen Lebensmitteln,
  • Missbrauch von Abführmitteln (Laxantien), Verwendung von Diuretika, Appetitzüglern und Schilddrüsenpräparaten sowie
  • exzessive sportliche Betätigung.

Die Betroffenen haben oft sehr große Angst (krankhafte Furcht) vor einer Gewichtszunahme. Während der Essattacken fehlt die Kontrolle darüber, wie viel und was gegessen wird. Bulimiekranke haben während der Attacken das Gefühl, nicht mit dem Essen aufhören zu können.

Essanfälle sowie Maßnahmen zur Gewichtsreduktion kommen mehrmals vor – laut DSM-V der American Psychiatric Association wird für eine Diagnose ein Essanfall pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten angegeben. Als (objektiv) große Mengen gelten Mengen, die deutlich größer sind als die Mengen, die andere Menschen in einer ähnlichen Situation in derselben Zeitspanne essen würden. Hunger- und Sättigungsgefühl werden von den Betroffenen nicht wahrgenommen oder nicht mehr „normal“ wahrgenommen.

 

Beschäftigung mit Essen & Körpergewicht

Bulimia-nervosa-Patientinnen und -Patienten beschäftigen sich stark mit dem Essen sowie mit dem Einkauf und der Zubereitung von Nahrungsmitteln. Figur, Körpergewicht und Aussehen sind zentrale Themen. In vielen Fällen sind die Betroffenen normalgewichtig oder haben ein Gewicht, das leicht unter dem Normalbereich liegt – sie können jedoch auch übergewichtig sein. Die Betroffenen setzen sich eine sehr strikte Gewichtsgrenze, die weit unterhalb des altersgerechten („gesunden“) Körpergewichtes liegt.

 

Verschiedene Formen

Nicht immer sind alle Kriterien einer Bulimie ausgeprägt. Man spricht dann beispielsweise von „atypischer Bulimie“. Häufig geht einer Bulimie auch eine Magersucht voran. Symptome können sich außerdem mit jenen anderer Essstörungen überschneiden.

 

Folgen der Bulimia nervosa

Eine Bulimie ist nicht nur körperlich belastend, sondern auch psychisch, sozial und finanziell. Die Folgen sind abhängig von der Schwere und Dauer der Erkrankung, der Anzahl der Essanfälle und den Kompensationsmaßnahmen.

 

Psychische Probleme & Sucht

Im Laufe einer BN-Erkrankung können sich Stimmungsschwankungen, depressive Tendenzen, Mangel an Lebensfreude sowie Interessenlosigkeit zeigen. Zudem nimmt die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit ab. Depressive Verstimmungen können auch bereits vor der Erkrankung vorhanden sein.

Bulimia nervosa ist u.U. mit teils schweren psychischen Störungen verbunden. Neben depressiven Störungen treten z.B. Angststörungen, affektive Störungen und posttraumatische Belastungsstörungen auf. Zwangsstörungen sowie soziale Phobien können ebenfalls schon vor der BN vorhanden sein. Persönlichkeitsstörungen (beispielsweise Borderline-Persönlichkeitsstörung oder ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörungen) sowie selbstverletzende Verhaltensweisen kommen vor. Substanzmissbrauch und -abhängigkeit (z.B. Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit, Drogenkonsum) stehen zudem im Zusammenhang mit einer BN.

 

Soziale & finanzielle Probleme

Finanzielle Probleme können durch hohe Kosten der Einkäufe von Nahrungsmitteln, die in den Heißhungerphasen konsumiert werden, entstehen. Die Erkrankung kann außerdem zu einem sozialen Rückzug führen.

 

Quelle: Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs

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