Persönlichkeitsstörungen

Die Diagnose von Persönlichkeitsstörungen ist nicht leicht und nicht unmittelbar zu stellen, da sie sich auf unterschiedlichste Weise zeigen. Somit ist die Diagnose eine Verdachtsdiagnose, die sich erst im Lauf der Behandlung bestätigen lässt. Persönlichkeitsstörungen sind im Allgemeinen behandelbar, wenngleich sich die Therapie oft langandauernd gestaltet und den Betroffenen ein gewisses Durchhaltevermögen abverlangt.

 

Diagnose von Persönlichkeitsstörungen

Eine fundierte Diagnosestellung erleichtert es, die richtige Behandlungsform zu finden, um ein ausgeglicheneres Leben zu führen. In Österreich erfolgt die Diagnose von Persönlichkeitsstörungen anhand des ICD-10 (International Classification of Diseases). Andere Diagnoseschemata (z.B. OPD, DSM-V) können zur Ergänzung und zum besseren Verständnis herangezogen werden. Um körperliche Erkrankungen (z.B. des Gehirns) auszuschließen, ist eine ärztliche Untersuchung notwendig. In einem ausführlichen Gespräch – oft auch mit Angehörigen – wird die Lebens- und Krankengeschichte genau erhoben.

Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung der Sozialversicherungsträger. Die Behandlung oder Beratung bei niedergelassenen klinischen Psychologinnen/klinischen Psychologen hingegen muss privat bezahlt werden. Es gibt hierfür keine Kostenübernahme bzw. Zuschüsse vom Krankenversicherungsträger.

Persönlichkeitsstörungen sind sehr grundlegende und umfassende Störungen der menschlichen Psyche und weisen deshalb verschiedenste Symptome auf. Es hat sich als sinnvoll und hilfreich für die Diagnose und Behandlung erwiesen, verschiedene Arten von Persönlichkeitsstörungen nach zentralen Merkmalen zu unterscheiden.

 

Auflistung der wichtigsten Persönlichkeitsstörungen

Die folgende Auflistung der wichtigsten Persönlichkeitsstörungen kann Betroffenen und Angehörigen dazu dienen, eigener oder fremder Befindlichkeit Aufmerksamkeit entgegenzubringen und den Weg zum Fachmann zu erleichtern.

 

Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (inklusive Borderline-Typus):

  • Stimmungsschwankungen
  • hohe Impulsivität
  • Gefühle innerer Leere
  • selbstschädigendes Verhalten
  • erhöhte Gefahr der Selbstverletzung (z.B. Ritzen, Schneiden, Verbrennungen, Selbst-Schlagen) oder eines Suizids

 

Ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung:

  • Drang, sich ständig Sorgen zu machen
  • Vermeidungsverhalten
  • Angst, vor Zurückweisung bei gleichzeitiger Sehnsucht nach Nähe
  • eventuell in Verbindung mit einer Angststörung

 

Zwanghafte (anankastische) Persönlichkeitsstörung:

  • „Übergenauigkeit“ („Pedanterie“)
  • von starken Zweifeln geplagt
  • „Übervorsichtigkeit“
  • eventuell in Verbindung mit einer Zwangsstörung

 

Abhängige (asthenische, dependente) Persönlichkeitsstörung:

  • verminderte Selbstständigkeit/Hilflosigkeit
  • Vernachlässigung eigener Bedürfnisse zugunsten anderer
  • herabgesetzte Belastbarkeit
  • große Ängste, verlassen zu werden
  • starkes Bedürfnis nach Geborgenheit und Bindung

 

Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung:

  • großes Misstrauen
  • sehr distanziert
  • starkes Bedürfnis, eigene Grenzen zu wahren

 

Paranoide Persönlichkeitsstörung:

  • sehr misstrauisch/eifersüchtig
  • besonders leicht kränkbar
  • bezieht Gesagtes/Handlungen allgemein stark auf sich selbst
  • große Empfindlichkeit gegenüber Grenzüberschreitungen (z.B. Eindringen in Privatsphäre)
  • ausgeprägtes Bedürfnis nach Selbstständigkeit
  • „Streitsüchtigkeit“

 

Narzisstische Persönlichkeitsstörung:

  • verminderte Kritikfähigkeit
  • Selbstüberschätzung
  • gleichzeitig bestehende (meist unbewusste) Minderwertigkeitsgefühle
  • sehr starker Drang, immer im Mittelpunkt zu stehen
  • hohes Bedürfnis nach Solidarität

 

Histrionische Persönlichkeitsstörung:

  • Neigung zu „dramatischen Auftritten“
  • stark ausgeprägtes Aufmerksamkeitsbedürfnis
  • große Rolle der eigenen Wichtigkeit für andere

 

Schizoide Persönlichkeitsstörung (nicht zu verwechseln mit Schizophrenie):

  • Einzelgängertum
  • scheinbare oder tatsächliche Gefühlskälte bzw. Gleichgültigkeit
  • verdeckte Wünsche nach Anerkennung
  • Distanziertheit bis hin zu „Unnahbarkeit“
  • Rückzug in Phantasiewelten

 

Schizotype Persönlichkeitsstörung (nicht zu verwechseln mit Schizophrenie):

  • sehr „schrullig“ und zurückgezogen
  • Vorliebe für esoterische/magische Denkweisen
  • umständliche Ausdrucksweise
  • Schwierigkeiten im passenden Gefühlsausdruck

 

Dissoziale Persönlichkeitsstörung:

  • Missachtung sozialer/gesellschaftlicher Regeln
  • fehlendes Mitgefühl („eiskalt“)
  • nach außen teilweise aber oft auch charmant („Wolf im Schafspelz“)
  • Kriminalität
  • ev. in Verbindung mit Alkohol- bzw. Drogenabhängigkeit

 

Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung fällt es schwer, ihren Meinungen und Empfindungen Ausdruck zu verleihen. Sie haben in vielen Fällen die Erfahrung gemacht, dass sie mit einer offenen Art nicht wahrgenommen oder wertgeschätzt werden. Um Ziele im zwischenmenschlichen Bereich zu erreichen (z.B. Anerkennung, Liebe), benehmen sie sich oft eigenartig und beeinflussen – unbemerkt für das Gegenüber – dessen Reaktionen. Diese Verhaltensweisen entstanden meist im Laufe des Lebens und haben nach näherer Betrachtung oft einen greifbaren Nährboden (z.B. problematische Beziehungserfahrungen).

 

Therapie von Persönlichkeitsstörungen

Betroffenen fällt es oft schwer, Hilfe zu suchen. Viele können auch nicht erkennen, dass sie selbst Unterstützung brauchen. Oft suchen zuvor Menschen im sozialen Umfeld nach Beratung oder Therapie, da sie mit dem Verhalten ihrer Nächsten nicht zurechtkommen bzw. in der Folge eigene seelische Probleme entwickeln. Die Behandlung nimmt einige Zeit in Anspruch und ist prinzipiell möglich.

 

Quelle: Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs

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