Psychosomatische Beschwerden

Es gibt eine Vielzahl an psychosomatischen Beschwerden und Erkrankungen. Ob das Herz rast oder der Nacken schmerzt – bei der Diagnose und Behandlung psychosomatischer Krankheitsbilder geht es darum, den Zusammenhang zwischen Körper und Seele zu erfassen.

Der Prozess, der zur Entstehung einer psychosomatischen Erkrankung führt, ist vielschichtig. Genetische, biologische, soziale und psychische Aspekte beeinflussen die Entstehung eines psychosomatischen Leidens.

Körper und Seele stellen eine Einheit dar. Das eine beeinflusst das andere. Forschungen bestätigen dieses wechselseitige Zusammenspiel. Aber auch das soziale Umfeld nimmt starken Einfluss auf die Gesundheit.

 

Wie sich Körper und Seele beeinflussen

Werden z.B. seelische Überbelastungen nicht ausgeglichen, kann es zu Erkrankungen oder Funktionsstörungen von Organen kommen. Aber auch „körperliche“ Erkrankungen wie z.B. Krebs, ein Schlaganfall oder eine HIV-Infektion können das Seelenleben stark beeinflussen.

Der Vorreiter der Psychosomatik, Thure von Uexküll, führte den Begriff des „biopsychosozialen Systems“ ein. Er betonte, dass alle Erkrankungen in Zusammenhang mit biologischen (organischen und körperlichen) Funktionen und psychischen/seelischen Funktionen stehen. Daneben spielen auch Beruf, Wohnverhältnisse und andere soziale Bedingungen eine große Rolle.

 

Wissenschaftliche Erklärungsmodelle

Der Forschungszweig der Psychoneuroimmunologie hat es sich zum Ziel gemacht, Zusammenhänge zwischen Psyche und Immunsystem zu ergründen. Unser Gehirn kann die Abwehrkräfte über Sympathikus und Vagus (Teile des unwillkürlichen Nervensystems), aber auch über Hormone (z.B. Kortisol) beeinflussen. Kortisol kann beispielsweise das Immunsystem bei Stress oder bei schweren Depressionen hemmen. Dadurch erhöht sich die Infektanfälligkeit.

Diese und andere Ergebnisse der Forschung bestätigen den Zusammenhang zwischen Körper und Seele.

 

Psychosomatisches Zervikalsyndrom

Beim psychosomatischen Zervikalsyndrom kommt es zu schmerzhaften Veränderungen der Wirbelsäule im Halsbereich. Die Muskulatur des Körpers verspannt sich. Ursachen für die Schmerzen im Halswirbelsäulenbereich können Bewegungsmangel oder eine Erkrankung des Bewegungsapparats sein. Aber eventuell sitzt einem buchstäblich die „Angst im Nacken“. Hier kennt der Volksmund auch passende Bezeichnungen, die zur psychosomatischen Entstehung von Nackenschmerzen und -verspannung passen: halsstarrig sein, mit der Angst im Nacken leben etc.

 

Somatoforme Störungen des Herzens

Bei somatoformen Störungen des Herzens kommt es zu einer veränderten Herztätigkeit. Symptome hierfür können sein: Herzrasen, Herzstolpern, Druck oder Schmerzen in der Herzgegend. Eine organische Erkrankung kann bei somatoformen Störungen des Herzens aufgrund einer Durchuntersuchung ausgeschlossen werden.

 

Weitere psychosomatische Erkrankungen

Es gibt noch sehr viele weitere psychosomatische Krankheiten wie das Fibromyalgiesyndrom oder psychosomatisch bedingte Kreuzschmerzen. Aber auch bei anderen Erkrankungen spielt der psychosomatische Zusammenhang oft eine große Rolle – beispielsweise bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Bluthochdruck oder Schlafstörungen. Die Psychosomatik ist ein großes Gebiet, das zunehmend an Bedeutung gewinnt.

 

Behandlung von psychosomatischen Krankheiten

Bei der Diagnose und Behandlung von psychosomatischen Krankheiten werden körperliche, psychische und auch soziale Faktoren berücksichtigt (biopsychosoziales Modell). Es wird u.a. versucht, die Symptome als „Sprache des Körpers“ zu verstehen und die Gefühle damit in Verbindung zu bringen. Die Symptome (z.B. Nackenschmerzen) bleiben meist so lange bestehen, bis eine Gesamtbehandlung nach dem biopsychosozialen Modell erfolgt. Die konkrete Behandlung hängt von der Krankheit, ihrem Ausmaß und ihrem Schweregrad ab.

Patientinnen und Patienten mit einer psychosomatischen Erkrankung haben zum Teil eine lange „Patientenkarriere“ hinter sich. Oft dauert es Jahre und benötigt viele verschiedene Untersuchungen, bis eine organische Ursache ausgeschlossen und die psychosomatische Krankheit diagnostiziert werden kann.

 

Quelle: Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs

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